9.5. – 20.5.2024 | Stephansplatz | Wien

Geschichte des Stephansdoms

Der Stephansdom

Das berühmte Wahrzeichen Wiens gibt dem Stefflkirtag seinen Namen. Grund genug, sich mit dem Stephansdom und seiner Geschichte etwas näher auseinanderzusetzen.

Die Anfänge des Doms

Das Areal, das später vom Stephansdom eingenommen wurde, lag östlich des römischen Legionslagers im Bereich der canabae legiones, der Lagervorstadt. Dieses Lager, Vindobona, war vom 1. bis 3. Jahrhundert von Gebäuden und Straßen umschlossen, die im 3. und 4. Jahrhundert von Gräbern und Grabbauten abgelöst wurden. Im Bereich des Stock-im-Eisen-Platzes wurden ab dem Jahr 1690 immer wieder Grabbefunde gemacht. Die Anfänge des Doms gehen auf das Jahr 1137 zurück, aus dem der Tauschvertrag von Mautern zwischen Markgraf Leopold IV. und dem Bischof von Passau überliefert ist.

Dabei wurden Güter, aber auch Pfarrrechte ausgetauscht, um es dem Bischof zu ermöglichen, außerhalb der damaligen Stadt eine Kirche zu bauen, die dem heiligen Stephanus geweiht sein sollte, dem Patron der Bischofskirche von Passau. Die anderen Kirchen im damaligen Wien, die Ruprechtskirche und die Peterskirche waren nach Salzburger Heiligen benannt; das Patrozinium der Kirche war also ein politisches Signal. Die erste Kirche wurde 1147 fertiggestellt und im selben Jahr vom Passauer Bischof Reginbert von Hagenau geweiht (Patronat nach der Mutterkirche Passau). Die Kirche war für die damalige Stadt völlig überdimensioniert – es könnte also damals schon Bestrebungen gegeben haben, sie in eine Bischofskirche zu verwandeln. Geostet ist die Kirche auf den Sonnenaufgang des 26. Dezember 1137.

1200 bis 1400

Von 1230 bis 1245 entstand ein weiterer spätromanischer Bau, von dem die Westfassade noch erhalten ist. Sie besteht aus den beiden Heidentürmen und dazwischen dem Riesentor. Der Ursprung beider Namen ist nicht völlig geklärt. Heidentürme kommt vielleicht von den Steinen, die von altrömischen Ruinen stammten, möglicherweise auch von den beiden Darstellungen der nichtchristlichen Fruchtbarkeitssymbole Phallus und Vulva, die die beiden Blendsäulen in der Westwand unterhalb der Türme krönen. Der Name Riesentor geht der Legende nach auf einen riesigen, über dem Tor aufgehängten Mammutknochen oder einen beim Bau helfenden Riesen zurück; tatsächlich dürfte die Bezeichnung aber auf das mittelhochdeutsche Wort risen (sinken, fallen) zurückgehen und sich auf die Trichterform des Portals beziehen. Oberhalb des Tores befand sich eine Herzogsempore, ähnlich dem Kaiserstuhl Karls des Großen in Aachen und den Westemporen der Kaiserdome.

1258 brach ein Brand aus, wobei das Ausmaß der Zerstörung nicht bekannt ist. Die Obergeschoße der Heidentürme wurden erst danach gebaut. Bereits 1263 erfolgte die feierliche Wiedereinweihung der Stephanskirche, es dürfte also nur geringe Schäden zu verzeichnen gegeben haben.

Zwischen 1304 und 1340 wurde ein vergrößerter Chor gebaut, nunmehr im gotischen Stil. Nach den Herzögen Albrecht I. und Albrecht II., die diesen Bau vorantrieben, spricht man vom Albertinischen Chor.

Das Herzogtum Rudolfs IV. war bedeutsam für die Kirche: 1359 wurde der Grundstein für den gotischen Neubau des Langhauses gelegt.

1400 bis 1700

1433 konnte der Südturm vollendet werden und war mit 136 Metern einige Jahre lang der höchste Kirchturm Europas.

1450 legte Friedrich III. den Grundstein für den Nordturm (früher auch Albertinischer Turm), wobei der Legende nach der Wein eines ganzen Jahrganges als Bindemittel verwendet wurde. Nach langer Unterbrechung erfolgte erst 1467 unter Dombaumeister Laurenz Spenning der Weiterbau. Dieser Turm war aber schon viel zu groß und viel zu prunkvoll konzipiert, zumal die Zeit der gotischen Kathedralen sich ihrem Ende zuneigte.

1469 wurde Wien endlich zum Bistum erhoben, der Stephansdom wurde Kathedrale.

Die Bauarbeiten des Nordturms wurden 1511 eingestellt. 1578 wurde auf den unvollendeten Turmstumpf eine Renaissance-Haube gesetzt, die nach dem Baumeister Hans Saphoy "Saphoy’sche Haube" heißt. Dort ist heute die „Pummerin“ mit einem Gesamtgewicht von über 21 Tonnen zu bewundern.

Von 1511 bis 1515 übernahm der Bildhauer und Baumeister Anton Pilgram die Leitung der Bauhütte, er vollendete den Orgelfuß und war unter anderem an der Ausführung der Domkanzel beteiligt, der dortige Fenstergucker wurde traditionell für sein Selbstbildnis gehalten.

Unter Hans Herstorffer, der von 1637 bis 1650 als Dombaumeister wirkte, wurde 1647 die Innenausstattung barockisiert, vor allem der Hochaltar des Bildhauers Johann Jacob Pock und seines Bruders, des Malers Tobias Pock, stammt aus dieser Zeit.

Während der Türkenbelagerung 1683 wurde der Dom durch türkische Kanonenkugeln beschädigt. Aus den Kanonen der Belagerer wurde danach die große Glocke (die Pummerin) gegossen. Sie wurde zunächst im Südturm aufgezogen und erstmals am 26.1.1712 geläutet.

1800 - 1945

Zwischen 1839 und 1842 wurden die obersten 17 Meter der baufälligen Spitze des Südturmes abgenommen, die Steinornamente wurden an einen Kern aus Eisen angefügt. Das Eisen erwies sich jedoch nicht als rostbeständig, Ab 1850 verwendete man daher mit Zement vergossene Steindübel und „ersetzte dabei einen Fehler durch zwei andere”, da das Treiben des Zements ebenfalls zu schweren Schäden führte. 1860 wurden die obersten 40 Meter erneut abgetragen und unter Dombaumeister Friedrich von Schmidt in mittelalterlicher Steintechnik möglichst originalgetreu neu errichtet. Er leitete über Jahrzehnte die Restaurierung des Doms. Am 18. August 1864, dem Geburtstag des Kaisers, wurde im Zuge der Turmrenovierung ein neues Kreuz und ein drei Zentner schwerer Adler auf die fertiggestellte Turmspitze aufgesetzt.

Seit den Renovierungen im 19. Jahrhundert wird auf dem Dach des Stephansdoms der österreichische Reichsadler in bunten Ziegeln ausgelegt. Im Brustschild dieses Adlers steht ein Monogramm von Kaiser Franz I. Seit 1950 bilden ein österreichischer Bundesadler und das Wiener Wappen das Pendant auf der anderen Dachseite.

Der Brand 1945

Der Stephansdom hatte als steinerner Zeuge des Unvergänglichen über 800 Jahre hinweg allen Widrigkeiten getrotzt und Feuersbrünste, Türkenbelagerungen und Franzosenkriege überstanden. Doch in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges blieb auch St. Stephan nicht mehr verschont. Als am 11. April 1945 einheimische Plünderer in Geschäften rund um den Steffl Feuer legten, griffen durch den Funkenflug die Brände in der Nacht auch auf den Dom über. Dabei brannten der Dachstuhl und der Glockenturm vollständig aus.

Aufgrund der militärischen Lage waren keine effektiven Löscharbeiten möglich. Die Pummerin stürzte bei diesem Großbrand aus dem Glockenstuhl ab und zerschellte am Boden. Die wertvolle Walcker-Orgel von 1886 wurde durch den Einsturz des brennenden Daches oberhalb der Westempore ebenso zerstört wie das Kaiseroratorium und das Lettnerkreuz.

Das Wunder des Wiederaufbaus

Unmittelbar nach Kriegsende begann das Wunder des Wiederaufbaus. Er wurde in den ersten Jahren vor allem durch zahlreiche Spenden aus der Bevölkerung finanziert. Im Rahmen der legendären "Dachziegelaktion" konnte jeder für fünf Schilling symbolisch einen Dachziegel kaufen. Die Spenden wurden für die Neueindeckung des Daches gesammelt.

1952 wurde der Stephansdom mit dem Einzug der neu gegossenen Pummerin, dem tönenden Wahrzeichen der Stadt, wiedereröffnet.

 

Quellen: wienwiki, wikipedia, Verein "Unser Stephansdom", Wien Tourismus, Kirchenmeisteramt der Domkirche St. Stephan